Weblog von Dr. Melchior zur Antarctica Expedition



Neue Hiobsbotschaften

21:00, schlechte Nachrichten aus dem Condo de Plata. Der Sturm ist stärker geworden mit 160 km/h und Windböen. Zu allem Überdruss sind die beiden Twin Otter, die sich bereits am Eis befinden durch den Sturm schwer beschädigt worden. Das genaue Ausmaß kann aber aufgrund des Sturms noch nicht eingeschätzt werden. Die beiden Piloten konnten aus der Entfernung beobachten wie es die angehängten Twin Otter aus der Verankerung gerissen hat. Sie wurden hoch geschleudert und aufs Eis geworfen. Ein Flügel scheint gebrochen. Solange das Ausmaß des Schadens nicht feststellbar und nichts repariert ist, können wir auf keinen Fall nach Patriot Hills einfliegen. Auch die eingegrabene Cessna ist derzeit keine Option, weil der Pilot noch nicht da ist.

Ehrlich - mir wird flau bei dem Gedanken, wenn wir - wie geplant - bereits unterwegs gewesen und in diesen Sturm gekommen wären...

Die Stimmung in der Gruppe ist entsprechend getrübt. Nicht nur, dass das Warten an den Nerven zerrt, jetzt noch diese Hiobsbotschaften. Einige befürchten massive Zeitprobleme. Bis heute Früh haben wir uns schon abgefunden, Weihnachten am Pol zu verbringen, so wie es jetzt aussieht ist es Silvester oder noch später - jetzt wird es eng. Uns bleibt hier nichts anderes übrig als zu warten, warten, warten...

Abflug wegen Sturm erneut verschoben

15.00 Uhr, orkanartiger Sturm über Patriot Hills mit um die 140-150km/h. Das ist einer dieser katabatischen Stürme, die entstehen wenn am Pol ein Hochdruckgebiet herrscht und sich an der Küste ein Tiefdruckgebiet einnistet – Die Dauer ist schwer abzuschätzen. Manchmal dauert es 3-4 Tage, manchmal kann es schon nach 24 Stunden vorbei sein. Als nächster Abflugtermin ist 21.00 Uhr geplant.

im-Kaffeehaus

Heute habe ich mir 2 T-Shirts gekauft, um meine Umwelt nicht zu sehr zu belasten. Mein Highlight im Ort ist ein kleines, ganz gutes Kaffeehaus, mit einer eigenwilligen Kreation einer Sachertorte. Zumindest bietet es eine Abwechslung in meinem kulinarischen Alltag, der sich zwischen Pizza, Sandwich und Hamburger abspielt. Diejenigen die sich mehr der chilenischen Küche zugewandt haben, bezahlen es mit dem „Pfiff“. Einige versuchen diesen Zustand mit Whisky Sour oder einheimisches Bier zu beheben. Wie sich zeigt, auch nicht wirklich eine ideale Lösung ;-)!

Sonst ist die Welt hier in Ordnung. Der Flieder blüht, die Vögel zwitschern und von der Straße klingt fröhliche Musik

Neuer Abflugtermin in Sicht

Heute weht ein heftiger Sturm mit über 100 km/h über Patriot Hills. Leider besteht deshalb keine Möglichkeit ins Basislager einzufliegen. Aber durch den Sturm bestehen gute Chancen, dass Wolken und Schlechtwetter weggeblasen werden.

Gestern, haben wir einen großen Artikel über unsere Expedition in einer chilenischen Tageszeitung gefunden und uns alle sehr über die Aufmerksamkeit der Presse hier gefreut.

Wir bekamen auch hohen Besuch - zwei Königspinguine kamen zum Strand und erregten großes Aufsehen im ganzen Ort. Es ist sehr ungewöhnlich, dass Königspinguine bis in die Stadt kommen.

Pinguine_mit_Land

Sonst hängen wir hier im Hotel herum und schlagen die Zeit tot. Am Abend waren wir in der Shakleton Bar. Wenn schon sonst nichts weitergeht, wollten wir zumindest in der Bar eines berühmten Polarforschers sein.

Um 15:00 ist einer neuer Abflugtermin geplant. Mal sehen….

Abflug verschoben

Im Süden nichts Neues. Unser Abflug wurde heute wieder von 6.30 Uhr verschoben. 9.30 Uhr: heftiger Schneefall in Patriot Hills, dichte Wolkendecke. An einen Landeflug ist nicht zu denken.

In der Zwischenzeit schauen wir uns Punta Arenas an und besuchen die Magellan Statue. Dort berühren wir seine Füße, wie schon viele Expeditionen vor uns, und erbitten seinen Segen und hoffe, dass die Bedingungen bald besser werden Die längste Expedition musste 26 Tage bis zu ihrem Abflug warten. Ich bin überzeugt, die waren nicht bei Magellan.

Melchior-vor-Magellan-Statue

Nächster Abflug Termin ist 12.30 Uhr. Es schaut momentan aber nicht so aus, als ob wir abfliegen könnten. Alle 2- 3 Stunden müssen wir uns einfinden, damit wir zum Aufbruch bereit sind. Langsam zerrt es an unseren Nerven. Jeder Tag den wir hier herumhängen, fehlt uns bei unseren geplanten Aktivitäten am Südpol.

Warten auf den Abflug

Gestern Nachmittag wurde unser gesamtes Gepäck, bestehend aus der Ausrüstung, Essen, Benzinkanister etc, abgewogen. Das Gesamtgewicht ist 1392,8 kg. Das sind gerade mal 80 kg über dem Limit. Für den einzelnen bedeutet das 8kg mehr Gewicht und das ist machbar. Ich bin sehr zufrieden über unser gutes Management.

Heute hängen wir schon seit den frühen Morgenstunden im Hotel herum und warten auf den Abflug ins Basislager. Aufgrund des schlechten Wetters in Patriot Hills und den starken Windverhältnissen, war bis jetzt kein Flug möglich. Es ist zu meiner großen Verwunderung in den letzten Tagen Neuschnee in Patriot Hills gefallen. Bis jetzt habe ich immer angenommen, dass es zu dieser Zeit in der Antarktis nicht mehr schneit....

Ursprünglich wollten wir heute um 6.30 Uhr aufbrechen, dann war es 9.30 Uhr und momentan steht 12.30 Uhr auf dem Plan. Die ständigen Verschiebungen zerren schon etwas an unseren Nerven. Trotzdem ist die Stimmung gut und wir versuchen die Zeit noch für die finalen Vorbereitungen zu nützen wie etwa das Verstärken der Bänder unserer Brillen oder das Kleben der Gesichtsmasken. Einige nähen sich noch Pelz in ihre Kapuzen oder kürzen die Ärmel ihrer Jacken. Außerdem steht noch eine warme Dusche auf dem Programm. Die letzte übrigens in diesem Jahr!

Ich hoffe, dass es jetzt bald losgeht. Immerhin haben wir noch 4,5 Stunden Flug vor uns und auch im Basislager noch eine Menge Vorbereitungen zu treffen.

Vor dem Abflug ins Basislager

Wir stehen jetzt einen Tag vor dem Abflug in die Antarktis. Es wird morgen ziemlich früh losgehen. Mal schauen, wie die Wetter- und vor allem Windverhältnisse sind. Die Windstärke darf nicht mehr als 50 Knoten betragen, sonst können wir nicht los fliegen.

Gestern habe ich damit verbracht, zuerst mal meine persönlichen Sachen fertig zu machen. Ich habe alles sowohl für den Pol, als auch für Mount Vinson in eine Box zusammengepackt.
Dann musste ich noch das ganze Essen in leichte Plastiksackerl abfüllen und mit Fisch und Huhn anreichern. Alle Mahlzeiten sind so abgestimmt, dass die Kalorienanzahl höher wird, je näher wir dem Pol kommen. Zum Beispiel das Frühstück ist für die Tage 1-21 mit 175g, für die Tage 22-42 mit 200g, vorgesehen.

Wir haben uns kurzfristig entschieden eine Neopren - Gesichtsmaske mitzunehmen, weil die Temperaturen am Pol bei minus 50 Grad und im Basislager bei minus 30 Grad liegen. Dazu kommt noch ziemlich starker Wind. Die Maske fertigen wir uns selbst an. Wir haben Neopren Stoff gekauft. Jeder von uns schneidet sich seine Maske heraus. - Ich möchte das unbedingt heute noch im Hotel erledigen, denn im Zelt bei diesen Minusgraden und dem starken Wind ist das nicht optimal.

Im Gegensatz dazu, ist es Frühsommer in Punta Arenas mit Temperaturen zwischen 8 bis 20 Grad!

Wir machen uns schon Sorgen, wegen des großen Temperaturschocks der auf uns zukommt.

Heute wird das gesamte Lager ausgeräumt und alles abgewogen, damit wir wissen was wir tatsächlich an Equipment und Gepäck mitnehmen. Dann geht es mit Sack und Pack zum Flughafen. Unsere Sachen sind bis zum Abflug in einem Storage am Flughafen verstaut. Morgen werden wir dann händisch das Flugzeug beladen. Langsam steigt unsere Nervosität!

Letzte Vorbereitungen

Vorbereitungen
Den ganzen Sonntag haben wir damit verbracht, im Lagerhaus alle Vorbereitungen zu treffen. Konkret, haben wir die Essensrationen für den Lunch genau abgewogen und in kleine Plastiksäckchen gefüllt. Hier wird jeder Keks, jede Nuss und jedes Zuckerl genau abgezählt und abgewogen. Keiner bekommt mehr als der andere.

Einige von uns, haben sich um die Ausrüstung gekümmert. Die Schlitten mussten zusammengebunden, die Zelte geklebt, die Seile geknotet, die Felle bei den Schiern aufgezogen, die Bindungen montiert werden. Eine ganze Menge Arbeit!

Ein andere Teil der Gruppe hat sich um den Treibstoff gekümmert. Seit Tagen wird der Brennstoff in große Kanister und Gallonen gefüllt. Teils nehmen wird die Kanister als Kochbenzin mit, teils brauchen wir sie als Treibstoff für das Flugzeug.
Benzinkanister

Heute Montag, steht das Portionieren des Frühstücks und des Abendessens für die Expedition am Programm. Genau wie beim Lunch, wiegen und füllen wir auch hier alles ab. Am Ende hat jeder sein Essen für die gesamte Expedition in mit Wochenzahlen beschrifteten Boxen. Darin sind jeweils 7 Tagesrationen. Insgesamt haben wir für 42 Tage Essen und für 50 Tage Kochbenzin dabei, d.h. 1kg, pro Person, pro Tag für die Expedition vom Starting Point bis zum Südpol.

Essensrationen

Das Flugzeug ist schon eingetroffen. Nach den ersten Checks, schaut alles OK aus.
Wir müssen noch die letzten Vorbereitungen treffen. Am Nachmittag packen wir das Flugzeug. Wenn alles planmäßig läuft, brechen wir Mittwoch zu unserem Basislager nach Patriot Hills auf.

Ankunft in Punta Arenas

Punta-Arenas

Nach 4, 5 Stunden Flug sind wir am 5. November gut in Punta Arenas angekommen. Wir wohnen im „Expeditions-Hotel“ Condor de Plaza. - Hier steigen alle großen Expeditionen ab.

Gleich nach unserer Ankunft gab es für uns eine größere Ernüchterung. Die Satellitenbilder, auf die wir so lange gewartet haben, sind endlich eingetroffen. Darauf mussten wir feststellen, dass wir etwas von der geplanten Route abweichen müssen, weil der direkte Aufstieg durch den Foundation Icestream zu riskant ist. Riesige und vor allem sehr weite Gletscherspalten ziehen sich durch das Gebiet. Wir müssen nun sehr weit am Rand gehen und versuchen einen Bogen um diese Risikozone zu machen. Das bedeutet das wir im Schnitt 100-150 km länger gehen müssen als geplant. Ich mache mir schon Sorgen, ob wir den Rekord in 40 Tagen am Pol zu sein, halten können. Mir war immer bewusst, dass der antarktische Winter eine Gefahr in sich birgt und für das Gelingen unseres Rekordversuch entscheidend sein wird.

Wir müssen uns jetzt auf die veränderte Situation einstellen. Härtere Bedingungen als erwartet und der längere Weg! Trotzdem bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird!

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